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Katalog der nachantiken Kameen



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Lucretia

Inv.-Nr. B XVI. Tab. B-III-1
Künstler
unbekannt
Ort
Deutschland
Datierung
1. Hälfte 16. Jh.
Steinschnittart
Kamee
Material
Chalcedonachat
Materialbeschreibung
milchig weißes Relief auf hellgrauem Grund

Bildseite und Randschräge stark poliert, Rückseite schwach poliert
Form
Hochoval, leichte Birnenform, Rückseite mit abgeflachter Randschräge
Maße
1,94 x 1,5 x 0,88 cm
Beschriftung
Aufkleber, lose (Typ E): "I 1"
Provenienz
1753 Kunsthaus
Zustand
ohne Beschädigung
K90198  Bild1
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Beschreibung und Einordnung
Auf kleinem Format beeindruckt die weibliche Halbfigur in Vorderansicht, mit gequältem Gesichtsausdruck aufwärts blickend, in enganliegendem, gefälteltem Gewand, das am Hals in der Mitte geschlitzt ist. Das lange, leicht gewellte Haar fällt auf beide Schultern. Ihr rechter unbekleideter Unterarm ist etwas ungelenk nach oben abgewinkelt, die Hand stößt den Dolch mit geballter Faust nach unten in die Brust. Durch den gebrochenen Blick und den leicht geöffneten Mund wird der Moment des Sterbens gezeigt.
Eine verwandte Kamee konnte bisher nicht gefunden werden.
Völkel und Pinder bezeichnen die Dargestellte im Inventar zu Recht als "Lucretia". Die vornehme Römerin Lucretia gilt als Personifikation der Tugend. Sie wird hier als Halbfigur in zeitgenössischem Kostüm des 16. Jahrhunderts dargestellt. Als ihr Gatte Collatinus beim Heer im Felde war, wurde sie von Sextus, Sohn des Königs Tarquinius Superbus, geschändet und ließ ihre Gefolgsleute Rache schwören. Hier ist der dramatische Augenblick der Verzweiflung dargestellt, als sie einen Dolch nahm, um sich selbst zu töten. Nach Livius (Livius 1,57-59) soll diese Tragödie zum Sturz des tarquinischen Königshauses und zur Entstehung der römischen Republik geführt haben. Lucretias Gatte Collatinus und Junius Brutus, ein Freund der Familie, wurden 509 v.Chr. die ersten Konsuln in Rom.

Stand: April 2006

Quellen
Inventar Völkel 1791, Tab. I. 1: "Lucretia in Oriental. Achat."
Inventar Pinder 1873 (B XVI), B. Tab. III. 1: "Lucretia. Orient. Achat."
Inventar Pinder 1882-1897 (B V), Tab. I. 1: "Lucretia. orient. Achat."

Literatur
unpubliziert

Vergleich
Livius, Ab urbe condita 1,57-59


Es wird empfohlen, für den Online-Katalog der nachantiken Kameen folgende Zitierweise zu verwenden:
Heidi Schnackenburg-Praël, [entsprechende Inv.-Nr. bzw. Einleitungstext], in: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel, hrsg. von Michael Eissenhauer, bearb. von Heidi Schnackenburg-Praël, Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel, Kassel 2006, <http://www.museum-kassel.de [Datum des Besuchs der Website]>

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