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Katalog der nachantiken Kameen



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Weibliche Halbfigur

Inv.-Nr. B XVI. Tab. B-VI-28
Künstler
unbekannt
Ort
Oberitalien
Datierung
um 1570; Fassung: spätes 16. Jh.
Steinschnittart
Kamee
Material
Chalcedon
Materialbeschreibung
weißes Relief auf hellgrau-weißem Grund

Bildseite poliert
Form
Hochoval, leichte Birnenform
Fassung
Silber, vergoldet; Randfassung mit ausgeprägter Kartuschenornamentik; oben Öse mit beweglichem Ring, unten Öse, wohl für eine Perle vorgesehen; auf der Rückseitenplatte Schweifwerkornamentik und Maskaron
Maße
3,32 x 2,37 x 0,88 cm
mit Fassung 4,19 x 3,3 cm
Provenienz
1730 wohl Nachlaß Landgraf Karl
Zustand
Riß im oberen rechten Segment von oben nach rechts zum Rand ausschwingend
K90116  Bild1
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K90117  Bild2
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Beschreibung und Einordnung
Der qualitätvolle Steinschnitt zeigt eine Halbfigur mit entblößtem Oberkörper, nach rechts ins Profil gewendet. Der abgewinkelte Unterarm und die aufgerichtete nach innen gedrehte Hand begrenzen das Ovalrund. Von ihrer linken Schulter aus wie eine Umhüllung des Rückens ein geknüpftes Gewandteil. Das Haar reich geschmückt, nach hinten gekämmt, am Hinterkopf kunstvolle ineinander geschlungene Zöpfe und bis zum Rücken herabfallendes Tuch. Um den Hals liegt eine Perlenkette, im Ohr ein Perlengehänge, um den Oberarm und am Handgelenk ein Schmuckband.
Dieselbe Haartracht und Haarbehandlung zeigt der St. Petersburger Kameo mit der Porträtdarstellung "Mary, Königin der Schotten", 1570 datiert (Kagan 1973, Nr. 27). Unser Kameo dürfte demnach ebenfalls in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts gehören. Horst Ulbo Bauer (Bauer 1963, Nr. 33) weist darauf hin, daß in der "Kameenglyptik des 16. Jahrhunderts Thema wie Stil unter den verschiedensten Titeln wiederkehren". Derselbe Typus erscheint mit geringen Abwandlungen als "Lucretia" oder als "Kleopatra".
Der vorliegende Kameo ist im Typus der Münchner Lucretia (Weber 1992, Nr. 33) verwandt, aber ohne Dolch, die Hand ist wie im Zeigegestus erhoben. Ein ähnlicher Typus mit dem Zeigegestus liegt auf Tablar IV (B XVI. Tab. B-IV-19), jedoch als bekleidete weibliche Halbfigur (Möbius 1929, Taf. 18a). Zum Zeigegestus siehe den ausführlichen Text dort.

Stand: April 2006

Quellen
Inventar Völkel 1791, Tab. XXIII. 28: "Soll die Büste der Venus sein. Eingefaßt."
Pretiosen-Inventar Völkel 1827 (B II), Inv.No. B II. 657
Inventar Pinder 1873 (B XVI), B. Tab. VI. 28: "Soll wohl Venus sein? Achat. Vergoldete Einfassung. / Jetzt Pret. V No. 657. / Hier liegt jetzt der Christuskopf, bisher Tablette II No. 11." ("Pretiosen" mit Bleistift hinzugefügt)
Preziosenliste Lenz 1881, Inv.No. V. 657

Literatur
unpubliziert

Vergleich
Möbius 1929, S. 57, Taf. 18a; Bauer 1963, Nr. 33; Kagan 1973, Nr. 27, S. 60f.; Weber 1992, Nr. 33


Es wird empfohlen, für den Online-Katalog der nachantiken Kameen folgende Zitierweise zu verwenden:
Heidi Schnackenburg-Praël, [entsprechende Inv.-Nr. bzw. Einleitungstext], in: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel, hrsg. von Michael Eissenhauer, bearb. von Heidi Schnackenburg-Praël, Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel, Kassel 2006, <http://www.museum-kassel.de [Datum des Besuchs der Website]>

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