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Katalog der nachantiken Kameen



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Doppelporträt des römischen Kaisers Claudius und seiner Gemahlin Agrippina minor nach der Wiener Gemma Claudia

Inv.-Nr. B XVI. Tab. B-III-7
Künstler
Kasseler Hofwerkstatt
Ort
Kassel
Datierung
Ende 17. Jh.
Steinschnittart
Kamee
Material
Karneolachat
Materialbeschreibung
zweischichtig: oberste Schicht mit dem Gewandteil und Haarbereich des Augustus rostbraun, am Lorbeerkranz milchig beige; Hauptschicht hellbraun, nach rechts ins Rosa-Beige gehend; auf der Rückseite entlang des größeren Ausbruchs milchig-weiße Partie

rundum poliert
Form
Hochoval
Maße
3,88 x 2,88 x 0,65 cm
Provenienz
1753 Kunsthaus
Zustand
links oben großer Randausbruch, oben rechts der Mitte kleinere Randabsplitterung
K90191  Bild1
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Beschreibung und Einordnung
Capita-iugata-Kamee eines idealisierten antiken Herrscherpaares im Rechtsprofil. Wahrscheinlich ist hier das linke Herrscherpaar des berühmten römischen Doppelfüllhornkameos in Wien (Eichler/Kris 1927, Nr. 19, Taf. 9) separiert und etwas variiert worden (zum anderen Paar s. die Kamee B XVI. Tab. B-I-16).
Das Haar seiner Gemahlin ist lediglich schlicht angedeutet im Gegensatz zu dem Wiener Kameo, auf dem sie als Tyche, mit Mauerkrone, Mohn und Ähren im Haar, dargestellt ist. Völkel bezeichnet die Dargestellten als Claudius und Agrippina. Pinder schränkt ein: "soll scheinbar Claudius und Agrippina sein".
Kaiser Claudius (10 v. Chr. - 54 n. Chr.) ist mit einem Lorbeerkranz, der durch eine Schleife mit lang herabhängendem Band hinten gebunden ist, im Brustpanzer und mit einer über der rechten Schulter durch eine Schließe gehaltenen Toga, dargestellt. Hinter ihm und teilweise durch ihn verdeckt seine Gemahlin. Früher hielt man Messalina, die dritte Gemahlin, oder Agrippina d. J. für möglich. Heute wird allgemein Claudius mit Agrippina d. J. akzeptiert (zusammenfassend Megow 1987, S. 200 f. und Meyer 2000, S. 17f.). Der Büstenabschluß endet mit einem Ornamentstreifen, der eine kleinteilige vertikale Strichelung aufweist.
Die Eheschließung des Kaisers mit Agrippina d. J. im Jahre 49 n. Chr. könnte der Anlaß für die Herstellung der Wiener Gemma Claudia als Hochzeitsgeschenk (Hafner 1993, S. 87) gewesen sein. Beim Vergleich mit diesem allbekannten Kameo fällt folgendes auf: Die Kasseler Kamee stimmt mit den Physiognomien des linken Paares - Claudius und Agrippina d. J. - in etwa überein, die Attribute Füllhörner und Waffen fehlen, statt des Eichenkranzes trägt der männliche Dargestellte einen Lorbeerkranz. Im Unterschied zu dem Wiener Kameo, auf dem die weibliche Figur als Tyche, mit Mauerkrone, Mohn und Ähren im Haar, dargestellt ist, ist ihr Haar lediglich schlicht angedeutet. Der Kasseler Kameo ist eine Vereinfachung des bzw. Herauslösung aus dem Wiener Kameo. Die vereinfachende Idealisierung der Physiognomien ergibt eine Abweichung, die eine Identifizierung zusätzlich erschwert.
Auf dem vielgerühmten römischen Kameenvorbild in Wien wenden sich zwei Paare einander zu. In der Regel wird das Büstenpaar auf der rechten Seite als die Schwiegereltern des Claudius, nämlich Germanicus (der jüngere Bruder des Claudius) und Agrippina d. Ä., angesehen.
Die jahrzehntelange Diskussion über die auf dem Wiener Kameo Dargestellten mit den Füllhörnern betraf vor allem das rechte Paar. Erschwerend kam eine häufige Verwechslung der beiden Paare hinzu. Diskutiert wurden der Bruder Germanicus und Agrippina d. Ä., Tiberius und Livia, später kamen Alexander und seine Mutter Olympias ins Gespräch und in letzter Zeit auch Augustus und Livia Drusilla (Brown 1997, S. 84-107).
Orsini (1606, Taf. 29) publizierte eine Karneolkamee desselben Typs aus der Sammlung Pietro Bembo mit einer Identifizierung als Augustus und Livia (Brown 1997, S. 94, Abb. 11-13). Die Haartracht der weiblichen Dargestellten differiert immer wieder. Rubens zeichnete denselben Paartypus 1620 (Öl auf Leinwand), dort wird das Paar als Germanicus und Agrippina d. Ä. mit Fragezeichen identifiziert.
Bei dem hier besprochenen Stück handelt es sich möglicherweise um eine freie Kopie durch einen Kasseler Steinschneider. Es fehlt zwar die größtenteils verwendete Glanz-Matt-Technik der Kasseler Hofwerkstatt, wahrscheinlich hat sich der Steinschneider an der Rundum-Politur des antiken Stückes orientiert.
Insgesamt wirkt die Kamee etwas steif und unlebendig. Ein stilistisch nahestehender Kameo mit einer Darstellung des Tiberius findet sich in der Münzsammlung in München (Weber 1992, Nr. 155). Weber bringt diesen Kameo in Verbindung mit zwei weiteren Stücken in der Münzsammlung, nämlich dem "Hadrian" (Weber 1992, Nr. 156) und dem "Kopf eines alten Mannes" (Weber 1992, Nr. 154). Der "Kopf eines alten Mannes" weicht im Gesamttypus durch seine physiognomische Eigenwilligkeit und ausdrucksvolle Gestaltung jedoch erheblich ab.

Stand: April 2006

Quellen
Inventar Völkel 1791, Tab. I. 7: "Claudius und Agrippina in Carn.onyx."
Inventar Pinder 1873 (B XVI), B. Tab. III. 7: "Soll scheinbar Claudius und Agrippina sein (Doppelkopf). Carneolonyx."
Inventar Pinder 1882-1897 (B V), Tab. I. 7: "Scheinbar Claudius und Agrippina. Doppelkopf. Achat."

Literatur
unpubliziert

Vergleich
Eichler/Kris 1927, Nr. 19, Taf. 9; Megow 1987, S. 200f.; Weber 1992, Nr. 154-156; Hafner 1993, S. 87; Brown 1997, S. 84-107; Meyer 2000, S. 17f.


Es wird empfohlen, für den Online-Katalog der nachantiken Kameen folgende Zitierweise zu verwenden:
Heidi Schnackenburg-Praël, [entsprechende Inv.-Nr. bzw. Einleitungstext], in: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel, hrsg. von Michael Eissenhauer, bearb. von Heidi Schnackenburg-Praël, Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel, Kassel 2006, <http://www.museum-kassel.de [Datum des Besuchs der Website]>

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