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Katalog der nachantiken Kameen



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Weibliches Brustbild

Inv.-Nr. B XVI. Tab. B-I-9
Künstler
Christoph Labhart (1644-1695)
Ort
Kassel
Datierung
Ende 17. Jh.
Steinschnittart
Kamee
Material
Chalcedon
Materialbeschreibung
grau mit leichtem Violett-Ton; an der Oberfläche zahlreiche kleine dunkelrote Punkte; auf der Grundplatte starke Streifung, von der Rückseite her zu sehen

Inkarnat matt, alle anderen Teile poliert; Basis nach vorn leicht abgeschrägt
Form
Hochoval
Maße
5,85 x 4,5 x 2,24 cm
Beschriftung
Aufkleber, lose (Typ C):"121"
Provenienz
1730 wohl Nachlaß Landgraf Karl
Zustand
größere Randabsplitterung rechts unten, oben kleinere. Am Gewand in der Höhe der rechten Brust Ausbruchstelle.
K90142  Bild1
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Beschreibung und Einordnung
In stark plastischer Hochrelieftechnik ist ein ausdrucksvoll bewegtes weibliches Brustbild dargestellt. Während der Oberkörper leicht nach rechts gewendet ist, vollzieht der Kopf durch eine starke Linkswendung eine Gegenbewegung. Der Blick ist nach oben gerichtet. Das wellige Haar ist nach hinten gekämmt. Das ärmellose Gewand wird auf der rechten Schulter durch eine Agraffe gehalten.
Meyer (Meyer 1973, Nr. C-4: Nr. A-2) vergleicht dazu eine Frauenbüste auf einer Bergkristallschraubflasche, die sich in Schloß Rosenborg in Kopenhagen befindet, und stellt Übereinstimmungen fest in dem weichen, rundlichen Gesichtsaufbau, bei dem die kantigen Begrenzungen von Nasenrücken und Augenhöhlen die einzige Härte bilden. Die Haarbildung ähnelt sich mit langen kräftigen Schnitten. Bei der Augenbildung stellt er eine Abweichung fest, da die Irisbohrung fehlt und die Augenlider anders sind. Übereinstimmung bei der Augenbildung stellt Meyer (Meyer 1973, Nr. C-3) dagegen bei der prachtvollen Kasseler Herkules-Kamee (B XVI. Tab. B-I-5) fest. Sowohl das Kopenhagener Stück wie auch die Herkules-Kamee werden Christoph Labhart zugeschrieben. Somit kann auch dieses Stück seinem Oeuvre zugeordnet werden. Auf die charakteristischen Stilkriterien geht Meyer bei seiner Gruppenbesprechung ein (Meyer 1973, S. 94f.). Er erwähnt ein verwandtes Stück in Berlin (Meyer 1973, Nr. C-4: Furtwängler 1896, Nr. 11789).
Das hier besprochene Stück wird wohl zu einer Gruppe (Meyer 1973, S. 101) gehören, die dazu bestimmt war, in einen größeren Dekorationszusammenhang eingegliedert zu werden. In erster Linie muß dabei an die " Steinfassade en miniature" gedacht werden.

Stand: April 2006

Quellen
Inventar Völkel 1791, Tab. XXIV. 9: "Brustbild der Venus mit seitwärts gewandtem Kopf. Achat."
Inventar Pinder 1873 (B XVI), B. Tab. I. 9: "Weibliches Brustbild. Chalced."
Preziosenliste Lenz 1881, Inv.No. IV. 121

Literatur
Meyer 1973, Nr. C-4, Taf. 11,6

Vergleich
Furtwängler 1896, Nr. 11789, Taf. 70; Meyer 1973, Nr. A-2, Taf. 5,3 unten links u. Nr. C-3, Taf. 11,4-5, S. 101


Es wird empfohlen, für den Online-Katalog der nachantiken Kameen folgende Zitierweise zu verwenden:
Heidi Schnackenburg-Praël, [entsprechende Inv.-Nr. bzw. Einleitungstext], in: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel, hrsg. von Michael Eissenhauer, bearb. von Heidi Schnackenburg-Praël, Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel, Kassel 2006, <http://www.museum-kassel.de [Datum des Besuchs der Website]>

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