Galba (römischer Kaiser 68-69 n. Chr.)
Inv.-Nr. B XVI. Tab. B-V-6
Künstler unbekannt
Ort Italien
Datierung Anfang 17. Jh.
Steinschnittart Kamee
Material Heliotrop
Materialbeschreibung dunkelgrün mit wenigen weiß-grauen Einschlüssen
rundum poliert, lediglich das Inkarnat matt behandelt
Form Hochoval
Maße 4,75 x 3,83 x 0,46 cm
Beschriftung rückseitig Aufkleber (Typ A): "137-181" rückseitig Aufkleber (Typ A): "Flavius Vespasianus" rückseitig Aufkleber (Typ B): "III 6"
Provenienz 1730 Nachlaß Landgraf Karl
Zustand in der oberen Hälfte am Rand leichte Bestoßungen, stärker zur Rückseite sich hinziehend; an der konvexen Ausbuchtung am Halsabschnitt kleinere flache Absplitterung
Beschreibung und Einordnung Scharf abgesetzt von der planen, auffällig dünnen Hintergrundplatte ein prägnant ausgeführtes flaches Relief mit einem Imperatorenkopf nach links mit Brustansatz. Der Lorbeerkranz wird hinten zusammengehalten durch eine Schleife, deren Bänder locker herabfallen. Die Haare sind in schmalen Reihen angeordnet. Die markante Physiognomie zeigt eine lange gebogene und nach unten eingezogene Nase, schmallippig mit herabgezogenen Mundwinkeln und vorstehendem Kinn. Der Halsabschnitt bildet eine flache konkav-konvex-konkave Welle.
Auf der Rückseite des Kameos ist ein Aufklebezettel "Flavius Vespasianus", Völkel und Pinder sprechen jedoch von "Galba". Gewisse Gesichtszüge lassen vielleicht an Vespasian denken, doch fehlt dazu das charakteristisch Üppige im Gesamteindruck. Die Schmallippigkeit, die Adlernase und die gerade statt rundliche Stirn sprechen für Galba. Das Strenge und Geizige seines Charakters kommt dadurch gut zur Geltung, vergleiche den Galba-Typus im Unterschied zu Vespasian bei Reinach (Reinach 1895, Taf. 102, II, 59 und 60).
Ein ähnliches Galba-Porträt, jedoch aus Chalcedonachat, findet sich in der Gemmensammlung Louis Rheins (Bauer 1963, Nr. 39). Bauer weist nach, daß dieser Typus ursprünglich von der prachtvollen Sesterzenprägung des Kaisers ausgeht und vor allem im 16. und 17. Jahrhundert zu den beliebtesten Herrscherporträts zählte.
Kaiserkameen aus Heliotrop wie das hier besprochene Stück waren weit verbreitet. In der Sammlung Milton Weil (Kris 1932, Nr. 45) findet sich eine Vespasian-Darstellung ähnlichen Typs. In Braunschweig (Schütte 1997, Nr. 140) befindet sich ein ähnlicher Heliotropkameo mit der Darstellung von Galba. Wie bei der hier besprochenen Kamee ist das Inkarnat des Gesichts matt, die Haare, der Lorbeerkranz und der Grund des Medaillons poliert. Möglicherweise kann man bei derartigen Heliotropkameen an eine auf dieses Sujet spezialisierte Werkstatt denken, an die so beliebten Kaiserserien mit den zwölf ersten römischen Imperatoren.
Ob es sich um eine Kopie der Kasseler Hofwerkstatt handelt, muß in Erwägung gezogen werden (vgl. B XVI. Tab. B-I-3 und B XVI. Tab. B-I-10).
Stand: April 2006
Quellen
Designationsliste (1730) 1753, Nr. 137: "Noch ein etwas kleinerer, in einem Etui. [Nachlaßinventar] 181. (Ein grüner Kayser-Kopf in einem Etui)."
Inventar Völkel 1791. Tab. XXII. 6: "Kopf des Kaisers Galba. Jaspis."
Inventar Pinder 1873 (B XVI), B. Tab. V. 6. "Kopf des Kaiser Galba. Grüner Jaspis. [Vorgängerinventar] XXII 6."
Inventar Pinder 1882-1897 (B V), Tab. III. 6: "Galba. Grüner Jaspis. [Vorgängerinventar] V 6."
Literatur
unpubliziert
Vergleich Reinach 1895, Taf. 102, II, 59 und 60; Kris 1932, Nr. 45, Taf. XIX; Bauer 1963, Nr. 39, Abb. S. 43; Schütte 1997, Nr. 140
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