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Katalog der nachantiken Kameen



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Julia Titi (ca. 63 - ca. 89 n. Chr.) nach dem Intaglio des griechischen Steinschneiders Euodos

Inv.-Nr. B XVI. Tab. B-VI-41
Künstler
unbekannt
Ort
Frankreich (?)
Datierung
Anfang 17. Jh.
Steinschnittart
Kamee
Material
Karneolonyx
Materialbeschreibung
weißes Relief auf violett-rosa Grund

rundum poliert
Form
Hochoval
Maße
3,38 x 2,38 x 0,8 cm
Beschriftung
rückseitig Aufkleber (Typ A): "64-68"
Provenienz
1730 Nachlaß Landgraf Karl
Zustand
mehrere Einschlußrisse quer über die Frisur, ein diagonaler Riß über dem Gewandstück; links unterhalb der Haare und über dem Nacken Vertiefung, wohl Bruch durch eine starke Äderung, die auf der Rückseite ausgebreitet sichtbar wird
K90027  Bild1
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Beschreibung und Einordnung
Die für ihre Schönheit gerühmte Tochter des Kaisers Titus, Julia (ca. 63 - ca. 89 n. Chr.), ist wegen des hohen gekräuselten Lockenaufbaues ihrer Haare, die nach hinten in feinen Zöpfen zu einem breit geschwungenen Knoten kunstvoll zusammengefaßt sind, zu identifizieren. Zahlreiche Bildnisse der Julia Titi sind erhalten und vermitteln ihre ebenmäßigen Gesichtszüge mit großen Augen. Die im ausdrucksvollen Profil nach rechts Dargestellte trägt eine Halskette, ein breites Ehrendiadem - die Stephane - im Haar und am Ohr ein doppeltes Perlengehänge. Über der Tunika trägt sie einen Mantel.
Dieser in den meisten großen Sammlungen verbreitete Typus geht zurück auf einen bedeutenden, ungewöhnlich großen Aquamarin-Intaglio mit der Künstlerinschrift von Euodos, einem griechischen Künstler der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Dieser Aquamarin kam im Jahre 1791 aus der Abtei St. Denis in das Cabinet des Médailles (Bibliothèque Nationale in Paris), er befindet sich in einer kostbaren karolingischen Fassung, die ehemals als Bekrönung eines Reliquiars diente, das Karl der Kahle der Abtei schenkte und in den Inventaren von St. Denis als Oratorium Karls des Großen aufgeführt wird (Zwierlein-Diehl 1986, Nr. 146). Furtwängler (Furtwängler 1900, Taf. 48, Nr. 8; Forrer 1902-1930, Bd. II, S. 51f.) vertritt die Ansicht, daß man aus dem Monogramm AMOX an der höchsten Stelle der Fassung des Saphirs schließen kann, daß der Kopf der Julia Titi im frühen Mittelalter als Bild der Muttergottes galt.
Der hier besprochene Kameo orientiert sich in den Porträtdetails exakt an dem Aquamarin in Paris. Es fehlen lediglich das Spiralrankenornament auf dem Diadem und der geflochtene Träger als Halter der Stola. Der Stein ist jedoch in Kameentechnik auf einen Karneolonyx umgesetzt worden, das weiße Porträt wirkt kontrastreich und durch die raffinierte rosa-violette Hintergrundfarbe zugleich weich. Es handelt sich hier um ein besonders qualitätvolles Stück, etwas beeinträchtigt durch den schlechten Erhaltungszustand mit mehreren Rissen auf dem Reliefbild.
Der Kopf der Julia Titi findet sich wiederholt auf antiken Intaglien. Ihre Darstellung auf Kameen erfreute sich auch in späterer Zeit immer noch wachsender Beliebtheit, vor allem im 18. Jahrhundert als Glasguß, wie das Münchner Exemplar von James Tassie (Glasgow 1735-1799 London) beispielhaft zeigt. Dieser von Weber (Weber 1995, S. 29, Nr. 322, Nr. 407) besprochene Abguß entspricht dem von Tassie (Raspe/Tassie 1791, Nr. 11521), der sich als vollständige Serie in der Eremitage in St. Petersburg befindet.

Stand: April 2006

Quellen
Designationsliste (1730) 1753, Nr. 64: "Ein Weibs-Kopf von weißem Agath. [Nachlaßinventar] 68."
Inventar Völkel 1791, Tab. XXIII. 41: "Julia, des Kaiser Titus Tochter. Vgl. Lipp. M.1.P.2. 349 seqq. (nicht Sabina, wie im alten Catalog)." ("Carneolonyx" mit Bleistift hinzugefügt)
Inventar Pinder 1873 (B XVI), B. Tab. VI. 41: "Julia Tochter des Tiberius. Carneolonyx."
Inventar Pinder 1882-1897 (B V), Tab. IV. 38: "Julia, Tochter des Tiberius. Carneol-onyx. [Vorgängerinventar] VI 41."

Literatur
unpubliziert

Vergleich
Babelon 1894, S. 172, Abb. 130, S. 173; Furtwängler 1900, Taf. 48, Nr. 8; Forrer 1902-1930, Bd. II, S. 51f.; Lippold 1922, Taf. 73, Nr. 5; Zwierlein-Diehl 1986, Nr. 146; Weber 1995, Nr. 322 (mit weiterer Lit.), Nr. 407


Es wird empfohlen, für den Online-Katalog der nachantiken Kameen folgende Zitierweise zu verwenden:
Heidi Schnackenburg-Praël, [entsprechende Inv.-Nr. bzw. Einleitungstext], in: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel, hrsg. von Michael Eissenhauer, bearb. von Heidi Schnackenburg-Praël, Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel, Kassel 2006, <http://www.museum-kassel.de [Datum des Besuchs der Website]>

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